|
Roberto Ciaccio
Revenants
Widerspiegelungen der Matrix/ Rispecchiamenti della matrice
24. März bis 25. Juni 2006
KULTURFORUM POTSDAMER PLATZ – SONDERAUSSTELLUNGSHALLE
Eröffnung: 23. März 2006, 19 Uhr
Symposium: 24. März 2006, 10 bis 17 Uhr; anschließend eine Führung durch die
Ausstellung
Konzert: 24. März, 19.30 - 20.45 Uhr
Das Kupferstichkabinett Berlin stellt in Zusammenarbeit mit der Fondazione
Mazzotta, Mailand, und dem Italienischen Kulturinstitut Berlin im Kulturforum
des Staatlichen Museums zum ersten Mal eine umfassende Ausstellung der Werke
Roberto Ciaccios vor, eines italienischen Künstlers, der in Mailand arbeitet und
dessen Werke in bedeutenden Einzelausstellungen in verschiedenen Museen und
italienischen und internationalen Stiftungen gezeigt wurden.
Die Ausstellung, betreut von dem Philosophen Remo Bodei, zeigt die Entwicklung
der Arbeit und des Denkens des Künstlers von 1990 bis heute, also aus einem
Zeitraum von fünfzehn Jahren, mit über einhundert Werken, die durch einen
folgerichtigen Dialog zwischen Kunst und Philosophie gekennzeichnet sind, der
die Basis seiner Kunst bildet.
Remo Bodei sagt von ihm: „Roberto Ciaccio ist einer der seltenen Künstler, die
aus der Philosophie Beweggründe ihrer Inspiration gezogen haben, die, im Sinne
von Merleau-Ponty, das Auge mit dem Geist vereint hat. In seinem Werk kann man
den wechselseitigen Befruchtungsprozess zwischen Gedanken und Bildern, zwischen
Denken und Vorstellungskraft unmittelbar erleben.“
Die Ausstellung zeigt in all ihrer Eigenart die ganze Entwicklung, die der
Künstler mit seiner besonderen und innovativen Behandlung der Mittel und der
Prozesse des Drucks von Originalen durchlaufen hat.
Die Arbeit Roberto Ciaccios setzt einen neuen Gedanken ins Werk, aus dem eine
Neudefinition der Begriffe von „Original“, von seriellen Produktionsprozessen
und von technischer Reproduzierbarkeit erwächst, die zum Wesen des
Originaldrucks gehören.
In der geistigen Dimension seiner Arbeit intensiviert sich die Anwesenheit der
Aura des Werkes – paradoxer Weise - gerade da, wo die Mittel der technischen
Reproduzierbarkeit der seriellen Produktion sie zu negieren scheinen. Die Idee
des Werkes wird in Richtung Einmaligkeit und „technische Unreproduzierbarkeit“
vorangetrieben.
Die Serialität wurde hier in der Tat neu durchdacht, ausgehend von den Unikaten
der Einzeldrucke, aus denen das Kontinuum eines Werdens des Unterschieds
oder der „différance“ im auch zeitlichen Sinne Jacques Derridas) ursprünglich hervorgeht,
obwohl sie der Identität einer einzigen Matrix entstammen.
Bei den Werken, die Roberto Ciaccio an der Druckerpresse des berühmten Mailänder
Druckers Giorgio Upiglio geschaffen hat, handelt es sich um Großformate auf
Matrixplatten unterschiedlichen Metalls, Einzeldrucke, Monotypieen, Studien,
nummerierte Originalausgaben, die im „Spiegel“ des Dialogs Künstler/Drucker und
Matrix/Blatt die Folge der Widerspiegelungen und Wiederkehren – von „revenants“ –
der Matrix ausdrücken, insofern sie Ursprung und zugleich reflektiertes
oderwidergespiegeltes Bild ist.
Der „phantasmatische“ Charakter des revenant, der Wiederkehr (revenance) erweist
sich in einem Horizont des Schwebens zwischen Erscheinen und Vergehen des Bildes
und des Ursprungs. Die Faszination, die von den dunklen Tiefen der Werke und der
Unfassbarkeit ihrer Anwesenheit/Abwesenheit ausgeht, ruft einen Zustand des
Aufgehobenseins und tief meditativer Erwartung hervor.
In den „Fragen“ der Platten werden Anwesenheiten hervorgerufen: Blätter und
Platten als „Orte“ eines Erscheinens und eines unendlichen „Figur-Werdens“ des
Ursprungs.
Die Ausstellung ist von Roberto Ciaccio im Verlauf des „denkenden“ Lebens der
Werke als Hommage an den befreundeten Drucker Giorgio Upiglio gedacht, mit dem
zusammen er viele Jahre arbeitend und denkend in größter geistiger und
technischer Harmonie verbracht hat.
Die Ausstellung beschreibt einen Weg, der geistig von den Lichtanmerkungen
(1990) ausgeht, um über die Leçons de ténèbres bei den großen Platten der
Kreuzwegstationen (2006), der letzten Arbeit des Künstlers und dem Herzstück der Ausstellung, anzukommen.
Die Ausstellung zeigt insbesondere folgende Originalausgaben.:
- Lichtanmerkungen in acht Augenblicken (1990/93), ein Portfolio von acht
Aquatinten und Aphorismen, die Martin Heideggers Der Ursprung des Kunstwerks
(Holzwege) entnommen sind,mit dem Ciaccios Werk tief harmoniert.
- Infinitononfinito (2003/06), XV Hefte, deren jedes sieben Monotypieen
enthält. Das Werk drückt das Unendliche einer „Befragung“ im unvollendeten
„Ort“ des Gedächtnisses jedes seiner Blätter aus.
- Leçons de ténèbres/ Le son des ténèbres (2003/06), XX Hefte, deren jedes 9
kleine Einzeldrucke auf Japanpapier enthält. Das Werk intensiviert im
Kontinuum der dunklen Anwesenheiten der Bilder - „revenants“ des Ursprungs-
und in der Transparenz und der fast immateriellen Beschaffenheit der
Blätter das Pathos für das Heilige.
- Befragungen einer Platte, Partitur der Zeit (2004/06), eine Folge von
„musikalischen Partituren“, „vierhändig“ realisiert mit Philip Corner bei
Gelegenheit der Aufführung von dessen Komposition Music Muse, das sich auf
die Arbeiten Roberto Ciaccios bezieht und im Archivio Caterina Gualco
(Genua 2004)dargeboten wurde.
Neben den Originalausgaben werden in der Ausstellung folgende Werke gezeigt:
- Große Einzeldrucke und Platten – Figur - wo auf die Blätter verschiedene
„Konfigurationen“ - auch in dem Wechselbezug recto/verso – gedruckt sind,
dargeboten in ihrer „ nackten Gegenwärtigkeit“.
- Große Einzeldrucke und Platten – Schwellen – die in raum-zeitlichen Reihen
den Bezug Identität/Unterschiedenheit und die Grenze zwischen Sichtbarem
und Unsichtbarem ausdrücken.
- Die Platten Gedankenmatrizen - die sensibel die Spuren und Anwesenheiten
in einer aufgehobenen Zeit aufgenommen haben.
- Serielle Folgen von Platten aus leuchtendem Kupfer – Orte – in
klangfarbenreichen und chromatischen, ausgesprochen musikalischen
Variationen.
- Große Platten und Einzeldrucke, vom Thema des Heiligen inspiriert, wie die
Kreuzwegstationen und das Triptychon für das Kreuz, und die dazu gehörigen
Studien. Die Kreuzwegstationen bestehen aus einer Folge von zehn großen
Eisenplatten aus dunkler Farbe und vier leuchtenden Kupferplatten, die
zusammen ein Kreuz bilden.
Über den geistigen Gehalt der Ausstellung fand am 24. März 2006 ein Symposium
statt (im Konferenzsaal des Kulturforums, 10 bis 18 Uhr), das den Zusammenhang
von Kunst und Philosophie behandelt hat. Veranstalter war das Italienische
Kulturinstitut Berlin. Die Moderation wurde von dem Philosophen Remo Bodei
übernommen. Das Symposium hatte den Titel „Zeitmatrizen“ (Die Kunst zwischen
Gedächtnis und Reproduzierbarkeit).
Zum Abschluss dieses dem Symposium gewidmeten Tages fand im gleichen
Ausstellungssaal um 19.30 Uhr ein Konzert statt, das eigens von dem bekannten
italienischen Pianisten Antonio Ballista, der schon bei den bedeutendsten
Musikinstitutionen und auf internationalen Festspielen zu Gast war, in
Anlehnung an Roberto Ciaccios Werken zusammengestellt wurde.
INFORMATIONEN
Eine Ausstellung unter Schirmherrschaft der Fondazione Antonio Mazzotta in Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut Berlin und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Ausstellungsort Kulturforum Potsdamer Platz 10785 Berlin-Tiergarten
www.mazzotta.it
Ausstellungsdauer 24 März bis 25 Juni 2006 Dienstag bis Freitag 10 – 18 Uhr Samstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr
Katalog Zur Ausstellung erscheint bei Edizioni Mazzotta, Mailand eine zweisprachige Publikation herausgegeben von Remo Bodei in Zusammenarbeit mit Elmar Zorn, Rolf Külz-Mackenzie und Andreas Schalhorn
Sponsor Transpharma, Trieste Italy
Eintritt. € 6.-/€ 3.- Kombiticket für alle Museen am Kulturforum: € 8.-/€ 4.
PRESSEBÜROS
Staatliche Museen zu Berlin
ITALIENISCHE BOTSCHAFT KULTURABTEILUNG ISTITUTO DI CULTURA Stefanie Hamm. Hildebrandstr.2 D-10785 Berlin Tel. 0049-(0) 30 26994117-fax 0049-(0) 30 26994126 e-mail hamm@iic-berlino.de
Fondazione Antonio Mazzotta Alessandra Pozzi. Foro Buonaparte 50 -20121 Milano (Italia) Tel. 0039-02 878380 – fax 0039-02 8693046 |